Einleitung
„Zertifiziert“ steht auf fast jedem Kursflyer. Aber nicht jedes Siegel bringt dir nach dem Kurs auch einen Nachweis, der beruflich zählt.
Hinter den Logos von Fachgesellschaften stecken vier sehr unterschiedliche Verfahren: Kurszertifizierung, lizenzierte Kurssysteme, Akkreditierung und Empfehlung. Nur bei manchen hältst du am Ende ein Zertifikat, anrechenbare Kurse oder CME-Punkte in der Hand.
In diesem Artikel erklären wir, was die vier Rollen bedeuten, welche Fachgesellschaften dahinterstehen und woran du eine Fortbildung erkennst, die sich wirklich lohnt.
1. Kurszertifizierung: Der Kurs zählt auf Ihr Personenzertifikat
Bei der Kurszertifizierung prüft eine Fachgesellschaft den Kurs eines externen Veranstalters gegen ihr eigenes Curriculum. Besteht er, darf sich der Kurs als zertifiziert bezeichnen und erscheint in der Kursliste der Gesellschaft.
Geprüft werden Inhalte, die Qualifikation der Dozierenden, das Verhältnis von Theorie zu Praxis und oft die Teilnehmerzahl pro Übungsplatz.
Was du davon hast: Der Kurs wird auf ein Personenzertifikat angerechnet. Typische Beispiele:
- DEGUM-zertifizierte Ultraschallkurse für die DEGUM-Stufen, in Österreich ÖGUM, in der Schweiz SGUM
- Kurse der Deutschen Kniegesellschaft (DKG) für das Zertifikat Kniechirurg/in
- DAF-Kurse für die Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie
Weitere Fachgesellschaften mit Kurszertifizierung, deren Kurse du auf DocSkills findest:
- AGA – Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie
- DGAI – Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin
- DIVI – Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin
- DVSE – D-A-CH Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie
- DWG – Deutsche Wirbelsäulengesellschaft
- QKG – Gesellschaft für Knorpelregeneration und Gelenkerhalt
Patronat ist mehr als Schirmherrschaft. AGA, DKG, DVSE und QKG sprechen bei dieser Form auch von Patronat oder Patronanz. Das klingt nach einem Ehrentitel, bedeutet aber eine inhaltliche Prüfung mit Anrechnung auf das Curriculum.
2. Lizenzierte Kurssysteme: Ein Zertifikat, das überall gleich gilt
Hier besitzt eine internationale Organisation ein festes Kurskonzept samt Zertifikat. Lokale Veranstalter führen es unter Lizenz durch, als Training Center oder Chapter.
Die Instruktoren werden von der Dachorganisation ausgebildet, der Ablauf ist genau vorgegeben: Material, Prüfungsfragen, Teilnehmerzahl pro Übungspuppe. Geprüft wird nicht der einzelne Kurs, sondern der Veranstalter als Ganzes, dauerhaft und mit Rezertifizierung.
Was du davon hast: ein Zertifikat der Dachorganisation, nicht des lokalen Anbieters. Ein ERC-Zertifikat sieht in München genauso aus wie in Lissabon. Für Ärztinnen und Ärzte, die international arbeiten oder ins Ausland wechseln, ist das ein echter Vorteil.
Alle vier Organisationen in dieser Rolle kommen aus der Notfallmedizin. Das ist kein Zufall: Reanimations- und Traumakurse leben davon, dass überall nach demselben Standard trainiert wird.
- ERC – European Resuscitation Council: ALS, EPALS, ILS, BLS und weitere Reanimationskurse
- AHA – American Heart Association: BLS, ACLS, PALS
- ITLS – International Trauma Life Support: präklinische Traumaversorgung
- NAEMT – National Association of Emergency Medical Technicians: u. a. PHTLS und AMLS
Wichtig beim Vergleichen: Der Anbieter ist der Veranstalter, die Dachorganisation vergibt das Zertifikat. Ein seriöser Anbieter schreibt deshalb „Offizieller ERC-Kurs, durchgeführt von …“ und nicht „nach ERC-Standard“.
3. Akkreditierung: Unabhängig geprüft, mit CME-Punkten
Bei der Akkreditierung prüft eine Stelle, die selbst keine Kurse anbietet, jede Veranstaltung einzeln gegen formale Fortbildungskriterien und vergibt Punkte.
Das ist die strengste Form, weil Prüfer und Anbieter vollständig getrennt sind. Eine Fachgesellschaft, die Kurse nach ihrem eigenen Curriculum zertifiziert, hat immer ein Eigeninteresse. Eine Akkreditierungsstelle hat keines.
Geprüft werden Lernziele, Unabhängigkeit von Sponsoren, Offenlegung von Interessenkonflikten und eine angemessene Methodik.
Was du davon hast: Fortbildungspunkte für deinen Nachweis gegenüber der Kammer.
- EACCME, das Akkreditierungsorgan der europäischen Facharztvereinigung UEMS in Brüssel. Es vergibt European CME Credits (ECMEC), die von den deutschen Landesärztekammern und in den USA von der AMA anerkannt werden.
- Landesärztekammern in Deutschland und die ÖÄK in Österreich vergeben CME- bzw. DFP-Punkte. Sie sind hoheitlich tätig und für die meisten Ärztinnen und Ärzte die wichtigste Punktequelle.
4. Empfehlung (Endorsement): Ein Name, aber kein Nachweis
Bei einer Empfehlung stellt eine Fachgesellschaft ihren Namen zur Verfügung, ohne eine Qualifikation zu prüfen oder zu bescheinigen.
Der Veranstalter reicht Programm und Referentenliste ein. Die Gesellschaft prüft, ob das Thema fachlich passt und keine Interessenkonflikte erkennbar sind, und erlaubt dann den Hinweis „endorsed“ auf Flyer und Website.
Was dabei nicht passiert: keine Lernzielkontrolle, keine Prüfung, kein Zertifikat, keine Anrechnung auf eine Qualifikation. Du erhältst die Teilnahmebestätigung des Veranstalters.
In dieser Rolle findest du auf DocSkills drei europäische Fachgesellschaften:
- ESAIC – European Society of Anaesthesiology and Intensive Care (früher ESA)
- ESTES – European Society for Trauma and Emergency Surgery
- EuSEM – European Society for Emergency Medicine
Wertlos ist eine Empfehlung trotzdem nicht. Dass eine europäische Fachgesellschaft einen Kurs für seriös hält, ist eine Information. „Zertifiziert“ ist ein solcher Kurs aber nicht.
Die vier Rollen im Überblick
Kurszertifizierung
- Geprüft wird: der einzelne Kurs gegen ein Curriculum
- Du erhältst: Anrechnung auf ein Personenzertifikat
- Beispiele: DEGUM, DKG, D.A.F., AGA, DWG
Lizenziertes Kurssystem
- Geprüft wird: der Veranstalter als Kurszentrum, dauerhaft
- Du erhältst: Zertifikat der Dachorganisation
- Beispiele: ERC, AHA, ITLS, NAEMT
Akkreditierung
- Geprüft wird: die einzelne Veranstaltung gegen CME-Kriterien
- Du erhältst: Fortbildungspunkte
- Beispiele: EACCME, Ärztekammern
Empfehlung (Endorsement)
- Geprüft wird: Thema und Seriosität
- Du erhältst: Teilnahmebestätigung
- Beispiele: ESAIC, ESTES, EuSEM
Checkliste: So prüfst du ein Kurssiegel
- Wer veranstaltet, wer zertifiziert? Das sollten zwei verschiedene Organisationen sein. Zertifiziert ein Anbieter nur seine eigenen Kurse, ist das keine unabhängige Prüfung.
- Was hältst du am Ende in der Hand? Ein Zertifikat, eine Anrechnung oder CME-Punkte? „Zertifiziert“ ist nur ehrlich, wenn am Ende ein Nachweis steht.
- Steht der Kurs in der Kursliste der Fachgesellschaft? Bei Kurszertifizierungen lässt sich das meist auf deren Website nachprüfen.
- Wie viele CME-Punkte gibt es, und von wem? Seriöse Anbieter nennen Zahl und vergebende Stelle, z. B. „EACCME-akkreditiert, 12 ECMEC“.
- Vorsicht bei unscharfen Formulierungen. „Nach Standard von …“ oder „DEGUM-Kurs“ klingen gut, sagen aber wenig.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen zertifiziert und akkreditiert?
Zertifiziert heißt meist: Eine Fachgesellschaft hat den Kurs gegen ihr Curriculum geprüft, er zählt auf ein Personenzertifikat. Akkreditiert heißt: Eine unabhängige Stelle wie EACCME oder die Ärztekammer hat die Veranstaltung geprüft und vergibt CME-Punkte.
Bekomme ich für einen ERC- oder AHA-Kurs CME-Punkte?
Das Provider-Zertifikat kommt von der Dachorganisation. CME-Punkte vergibt zusätzlich die zuständige Ärztekammer, wenn der Veranstalter den Kurs dort anmeldet. Frag im Zweifel beim Anbieter nach.
Was bedeutet „endorsed by“ auf einem Kursflyer?
Die Fachgesellschaft hält Thema und Programm für fachlich passend. Eine Prüfung, ein Zertifikat oder eine Anrechnung ist damit nicht verbunden.
Was ist ein Kurs unter Patronat?
Bei AGA, DKG, DVSE und QKG bedeutet Patronat eine inhaltliche Prüfung mit Anrechnung auf das jeweilige Curriculum. Es ist also mehr als eine Schirmherrschaft.
Wo finde ich zertifizierte Kurse?
Auf DocSkills kannst du Kurse nach Fachgesellschaft filtern und siehst direkt, welche Rolle die Gesellschaft beim jeweiligen Kurs hat.
